Seychellen – Backpackertauglich oder Bonzentourismus?

Drei Wochen + Rucksack + Seychellen = Backpackertauglich oder Bonzentourismus?

Im Flieger nach Abu Dhabi läuft der Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ – die beste Art einen Urlaub zu beginnen ist mit einem Fernweh-Film denke ich und lehne mich entspannt zurück. Hätte ich gewusst, dass ich kaum 12 Std. später wie eine Verrückte durch den Airport Abu Dabi renne, wäre ich wohl nicht so neidisch auf die Abenteuer von Walter Mitty gewesen.

Eine Stunde Zeit zum Fliegerwechsel ist knapp, hatten wir gedacht, knapp aber machbar. Da hatten wir aber leider nicht mit den langen Wegen des Flughafens gerechnet und nicht mit einer Sicherheitskontrolle, die genauso organisiert wirkte wie ein Bienenschwarm nach einem Bärenangriff. Wir stehen also inmitten einer Meute orientierungsloser Reisender und schauen auf die Tafel die uns das Gate unseres Anschlussflugs zeigen soll – und dies auch tut, daneben steht Boarding – wie jetzt?! – was meinen die mit Boarding? Wir nehmen also die Beine in die Hand und rennen – rennen bei 30 Grad, rennen drei Kilometer in 15 Minuten – vorbei an Scheichs und Damen mit Burka, vorbei an Asiaten mit Kamera, vorbei an Rucksacktouristen, vorbei an Pauschaltouristen. Die Zunge klebt am Gaumen, die Lippen sind so trocken, dass sie an den Zähnen hängen bleiben.

Als wir am Gate 48 ankommen schaut uns die Stewardess verwirrt an: „Sie müssen zu Gate 18“. Die Anzeigetafel war falsch. Wir schauen uns an, den Flug verstreichen zu lassen sprengt unser Reisebudget. Also bitten die Stewardess die Boarding Time zu verlängern und rennen los. An wem wir hier vorbei gerannt sind weiß ich nicht mehr, ich weiß nur noch, dass wir alleine im Transferbus zum Flugzeug saßen und ich zwischen Ohnmacht und sich übergeben müssen hin und her geschwankt bin. Danach saßen wir 60 Minuten im klimatisierten Flieger und warteten. Die Starterlaubnis hatte sich verspätet. Naja so ein bisschen Cardio-Training zu Urlaubsbeginn hat immer etwas Erfrischendes.

Der restliche Flug verlief ohne Probleme und als wir mit Sim-Karte, Postkarten, Rupien und Keksen ausgestattet den Bus zur Catcocos Fähren besteigen ist die Welt wieder ein besserer Ort. Die Überfahrt nach Praslin ist nichts für einen schwachen Magen und wie durch magische Hand tauchen an allen strategischen Stellen sogenannte „Discomfort Bags“ auf. Die Leute von der Fähre wissen schon warum. Uns hat das geschwanke nicht gestört, wir haben friedlich geschlafen und wurde nach dem Aussteigen mit einem Ausblick auf Palmen, Sonne und Meer belohnt.

Die Fahrt zur Aquario Villa  hätten wir problemlos mit dem Bus bewältigen können, wussten es nicht besser und haben das Taxi genommen. Das B&B ist super sauber, eigenes Bad und jeden Morgen gibt es ein leckeres Frühstück mit frischen Mangos aus dem Garten. Der Anse Volbert ist direkt um die Ecke und geht man die Straße noch eine Kurve weiter kommt man zu einem unscheinbaren kleinen Hüttchen, unsere Bezeichung dafür war Curry Shack, in dem Abends Currys und Bier serviert werden. Die Preise für ein Curry und Beer für zwei Personen liegt bei ca. 180 Rupees. Alle nationalen Gerichte sind grundsätzlich auf Touristen Niveau gekocht, wenn man gerne scharf isst, so wie wir, muss man sich die Sechelloise Version bestellen.

Tags darauf waren wir an dem wunderschönen Anse Petite Cour beim schnorcheln und freitauchen. Das Riff ist vom Privatstrand des Hotels La Reserve zugänglich. Um Zutritt zum Strand gegen Eintrittgebühr zu bekommen hätten wir uns einen Tag vorher anmelden müssen. Wir hatten jedoch Glück und haben auf der Straße zwischen Anse Possesion und Anse Petite Cour einen kletterbaren Felshang gefunden, der in einer kleine Sandbucht mündet. Von dieser Sandbucht aus sind wir am herrlichen Riff entlang in Richtung Anse Petite Cour geschwommen.

Unter Tags haben wir uns in unserer Curry Shack mit Bananen (Mille), Soursop (Annona), Mango und  Golden Apple (Frisiter) eingedeckt (Tüte Obst für 50 rupees). Bei den indischen Supermärkten gab es eine Vielzahl an Samosas und anderen indischen Snacks (8 Samosas für 100 Rupees). Das La Goulue mit seinen Currys hat uns ebenfalls wirklich gut geschmeckt. Lechwelle-Fotos-01-2  Lechwelle-Fotos-01-3

Auf die Angebote der junge Rastas die am Strand rumhängen und Bootstouren verkaufen sind wir nicht eingegangen. Von den Ladenbesitzern und anderen Einheimischen haben wir hier nicht so viel Gutes darüber gehört. Ob wir damit etwas verpasst haben kann ich also nicht beurteilen.

Ein absolutes Highlight war Vallée de Mai, die Busfahrt dorthin war schon ein absoluter Genuss. Hier tauschen sich die Einheimischen angeregt über die Neuigkeiten des Tages aus während der Bus in rasanter Geschwindigkeit um die engen Kurven herum auf die andere Seite der Insel rast.

Im Park angekommen mussten wir feststellen: Die Kokosnüsse an sich sind schon ganz schick, viel beeindruckender fand ich jedoch die riesigen Palmenblätter die im Wind ein fast rhytmisches Rauschen erzeugen und die herrlichsten Schattenspiele auf den Boden zaubern.

Fazit für die erste Seychellen Insel: Richtig low budget wie z.B. in Sri Lanka ist es nicht, man kann allerdings sehr wohl per Air B&B oder gleich vor Ort günstige Privatunterkünfte finden, auch das Essen, sei es Currys, Obst und Indische Snacks lassen sich preiswert ergattern, die Reise mit dem Bus ist etwas anstrengend, kostet allerdings nur einen Bruchteil von dem was ein Taxi kostet.

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